Wie bin ich zum Bridge gekommen?

Als Mitglied einer Buchgemeinschaft mussten wir in jedem Quartal aus einem Katalog ein Buch bestellen. Im Jahre 1973 entschieden wir uns einmal für „Programmierte Unterweisung in Bridge, kombiniert mit Doppelkartenspiel und Aufschreibblöckchen“. Anhand der programmierten Unterweisung im Umfang von ca. 12 groß geschriebenen Seiten brachten wir, d.h. meine Frau und ich sowie ein befreundetes Paar, uns dann selbst Bridge bei. Die Unterweisung beschränkte sich allerdings auf die nackten Regeln. Dies genügte uns, um fortan zu viert Rubberbridge um Geld zu spielen. Das Geld kam in einen Topf und reichte aus, um davon schon 2 Jahre später gemeinsam in Urlaub zu fahren.

Ungefähr nach 2 Jahren fand dann unsere Freundin in der Kölner Stadtbibliothek ein Bridgebuch. Als blutiger Laie schrieb sie daraufhin eine Zusammenfassung von Reizregeln auf 2 DIN A4-Seiten. Von da an stand jedem von uns das 2-seitige Regelwerk zum Reizen zur Verfügung. Im Laufe der nächsten Monate entwickelte sich bei mir eine gewisse Skepsis gegenüber den schriftlichen Reizempfehlungen. So stand da etwa, wenn der Partner eine Farbe eröffnete und man hatte 6-9 Punkte, dann sollte man die Farbe des Partners heben. Es stand dort allerdings nicht, dass man dazu auch Karten in Partners Farbe benötigte. Entsprechend wurde die Qualität unserer Kontraktentscheidungen in dieser Zeit beileibe nicht besser.

Im Herbst 1977 wollte ich eine Zeitungsannonce aufgeben, um mein Auto zu verkaufen. Entsprechend suchte ich im Telefonbuch nach der Nummer des Kölner Stadtanzeigers. Dabei stieß ich zufällig auf den Eintrag Kölner Bridgeclub. Spontan rief ich dort an. Der Club-Manager war sehr nett und lud mich eindringlich zum Anfängerturnier am nächsten Dienstag ein. Ich sagte zu. Als Partner vermittelte er mir seinen Vater, einen routinierten Bridgespieler.

Wir wurden im Anfängerturnier bei 7 Tischen Vorletzter. Nach dem Turnier fragte dann eine jüngere Dame meinen Partner, wie ich denn spielen würde. Höflich antwortete er „gut“. Darauf fragte mich die jüngere Dame, ob ich denn nächsten Dienstag mit ihr spielen wolle. Erfreut sagte ich zu. Dieses Turnier wurde dann für mich zum Aha-Erlebnis. Hat mich die jüngere Dame vielleicht beschimpft! Zum Beispiel: Haben Sie denn noch nie gehört „Dritter Mann so hoch er kann“? Ich verneinte und fragte, was das heiße. Sie resignierte.

Tief beeindruckt kam ich an diesem Abend nach Hause und berichtete meiner Frau, dass Bridge offenbar viel mehr sei, als das, was wir bislang betrieben hatten. Dies brachte meine Frau auf die geniale Idee, in Kölner Buchhandlungen nach einem Bridgebuch zu suchen und mir Weihnachten 1977 „Das große Buch vom Bridge“ von Ulrich Auhagen zu schenken.

Bei der Lektüre dieses Buches wurde mir dann schnell klar, dass wir bis dahin vom Bridge praktisch nichts wussten. Innerhalb kürzester Zeit verschlang ich dann ein Bridgebuch nach dem anderen, zuerst die wenigen deutschen, dann machte ich mich an die englische Literatur.

Schnell fand ich dann im Kölner Bridgeclub einen spielstarken Partner, der wegen seiner unangenehmen Kritik bei gleichstarken Partnern unbeliebt war. Die manchmal ätzende Kritik meines stärkeren Partners ließ mich ziemlich kalt, so lange ich davon lernen konnte. Mit dieser intensiven Kombination von Theorie und Praxis konnte ich in den folgenden zwei Jahren viel und schnell lernen - ohne je eine Stunde regulären Bridgeunterricht genossen zu haben.

Kurz vor der Geburt unserer Tochter Tina im Herbst 1978 folgte meine Frau mir dann in den Bridgeclub. Unsere Bridgefreunde der ersten Stunde verloren leider bald die Lust daran, mit uns weiter Bridge zu spielen, da wir natürlich schon nach kurzer Zeit viel erfolgreicher als sie spielten. Sie waren auch nicht bereit, Bridgebücher zu lesen bzw. zu lernen. C`est la vie.

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